Evolution

Inhalt:

Die Entwicklungsgeschichte des Pferdes
Die Evolution im Überblick
Die Entwicklung des Pferdes in Kurzfassung
Der Ursprung des Pferdes als Haustier



Die Entwicklungsgeschichte des Pferdes

Zusammen mit Esel und Zebra gehört das Pferd (Equus) zum Kreis der Wirbeltiere (Vertebrata), zur Klasse der Säugetiere (Mammalia), zur Abteilung der Unpaarzeher (Perissodactyla), zur Ordnung der Einhufer (Solidungula).

Der Stammvater unseres heutigen Pferdes war der etwa 40cm große Hyracotherium - amerikanisch Eohippus (griech. eos = Morgenröte, hippus = Pferd), der im frühen Tertiär, im Eozän (vor etwa 60 Mio. Jahren), lebte und an seiner Vordergliedmaße noch vier, an seiner Hintergliedmaße drei entwickelte Zehen hatte (ähnlich dem Tapir). Dieses Waldtier ernährte sich, wie wir aus der Zusammensetzung seines Gebisses schließen dürfen, hauptsächlich von Blättern und verschmähte auch nicht Insekten und anderes Kleingetier. Der Darmtrakt des Pferdes weist noch heute Eigentümlichkeiten auf, die darauf hindeuten, dass dieses Tier nicht immer reiner Pflanzenfresser gewesen ist.

Ihr folgte der über den Mesohippus der Miohippus im Oligozän (40-25 Mio. Jahre v. Chr.), der schon etwas größer und bei dem ein Zeh stärker entwickelt war.

In späteren Erdaltern, bis zum Ausgang des Tertiärs, bis zum Pliozän (vor etwa 30 Mio. Jahren) fand im Verlaufe der Entwicklungsgeschichte eine erhebliche Größenzunahme der Vorfahren des Pferdes statt. Zugleich verließ das ursprüngliche Waldtier das schützende Dickicht und wurde auf den weiten Grasebenen heimisch. Hand in Hand mit dieser Entwicklung zum flüchtigen Steppentier erfolgte im Miozän (25-10 Mio. v. Chr.) über den Merychippus eine allmähliche Aufrichtung vom Zehengänger zum Zehenspitzengänger. Er war wieder etwas größer und besaß drei Zehen an jeder Gliedmaße, von der nun die mittlere den Boden berührte.

Der Pliohippus (auch: Equus stenonis) aus dem Pliozän (10-2 Mio. v. Chr.) war der erste Einhufer und wies eine Größe von ca. 112cm auf. Er ist das Endglied dieser Entwicklung und entspricht bereits weitgehend den Formen der heutigen Wildpferde.

Aufgrund von Knochenfunden müssen wir als das Entstehungsgebiet des Pferdes wohl Nordamerika ansehen, von wo aus es sich über die Landbrücke (um ca. 1 Mio. v. Chr.) von Alaska nach Zentralasien, dem Vorderen Orient, Europa und Nordafrika verbreitete. Später starb das Pferd (um 8000 v. Chr.) aus ungeklärten Ursachen in Amerika aus, so dass der Kontinent bei seiner Entdeckung durch die Europäer völlig pferdelos war.

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Die Evolution im Überblick

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Die Entwicklung des Pferdes in Kurzfassung

früheste Entwicklungs-
stufe;

im Eozän, ca. 60-40 Mio. Jahre v. Chr., Funde in Nordamerika und Europa; Wald- & Buschbewohner, Laubfresser; 4 Zehen vorn, 3 Zehen hinten; Größe ca. 40cm
im Oligozän, ca. 40-25 Mio. Jahre v. Chr., Funde nur in Nordamerika; in Wald & Buschlandschaften; Laubfresser; 3 Zehen an jedem Fuß, das Haupt-gewicht ruhte auf der mittleren Zehe; Größe ca. 60cm im Miozän, ca. 25-10 Mio. Jahre v. Chr., Funde nur in Nordamerika; Savannen & baumbestandene Niederungen, vorwiegend Grasfresser; 3 Zehen pro Fuß, nur noch Mittelzehe hat Bodenkontakt; Größe ca. 90cm unmittelbarer Vorläufer der Pferde - erster richtiger Einhufer;
im Pliozän, ca. 10-1 Mio. Jahre v. Chr., Funde nur in Nordamerika; Steppenbewohner, Grasfresser; Größe ca. 110cm

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Der Ursprung des Pferdes als Haustier

Auf dem Gebiete des Ursprungs und der Haustierwerdung unseres Pferdes gibt es fast ebenso viele Meinungen wie Wissenschaftler. Im wesentlichen geht es dabei um die Frage, ob man für die Entstehung unserer heutigen Hauspferderassen eine monophyletische (griech. -> auf eine Urform zurückgehend) oder eine polyphyletische Abstammung annehmen muss; d.h., ob alle heutigen Hauspferde auf eine Stammform, etwa den "Equus Przewalski Poljakow", zurückzuführen sind und die große Variationsbreite eine starke Differenzierung zu den heutigen Rassen und Schlägen erst in geschichtlicher Zeit unter Auslese verschiedener langandauernder Milieubedingungen und Klimate und vor allem unter dem Einfluss züchterischer Eingriffe durch den Menschen stattgefunden hat, oder ob eine mehrstämmige Abstammung der Hauspferderassen und –schläge anzunehmen ist.

Nach E. Isenbügel stehen heute drei hauptsächliche Theorien über das Ausgangsmaterial der heutigen Pferderassen zur Diskussion:

1.


2.


3.



Alle heutigen Hauspferderassen gehen zurück auf unterschiedliche Frühzähmungsformen einer Stammform. Sie entwickelten sich aus unterschiedlichen Wuchsformen und führten an mehreren Stellen gleichzeitig zur allmählichen Bildung unterschiedlicher Rassen.
Durch das Vorhandensein zweier oder mehrerer Ausgangsformen von Wildpferden lag schon bei der Domestikation ein unterschiedliches Pferdematerial vor, das die Bildung unterschiedlicher Rassen verursachte bzw. mindestens förderte.
Es existieren Erbtypen, die aus einer oder mehreren Formen der Vorpferdeartigen (Praeequiden) stammen, sich schon im frühen Quartär voneinander abhoben und noch heute im Erbgut unserer Pferde durch unterschiedliche Knochenstruktur (Röntgenuntersuchung) und Verhaltensstudien nachweisbar sind.

Bei unseren heutigen Hauspferden handelt es sich stets um Mischtypen, entstanden aus einer Verschmelzung verschiedener Urtypen, gleichgültig, welche der eben dargestellten Theorien richtig ist. So darf es uns nicht wundern, dass bei ihnen immer wieder uralte, langverdeckte Merkmale auftreten, die auf diese Ahnen hinweisen. Zugleich lassen sich dadurch bestimmte äußerliche und innere Eigenschaften – nicht selten miteinander gekoppelt – erklären und verstehen.

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Quellen:




Welches Pferd ist das? : 130 Pferde- u. Ponyrassen in Farbe / Jasper Nissen;
10. Auflage – Stuttgart: Franckh, 1987 (Kosmos Naturführer); ISBN 3-440-05720-8

Pferde / Erich Pabel-Arthur Moewig KG, Rastatt
Deutsche Erstausgabe – 1991 / Original Italy 1990; ISBN 3-8118-8474-3

Fotomaterial:





Das große Pferdebuch / Neuer Kaiser Verlag – Buch und Welt, Hans Kaiser, Klagenfurt;
Deutschen Ausgabe von 1988; ISBN 3-7042-5012-0

Das Pferd von A-Z: Rassen, Zucht, Haltung / Gerhard Kapitzke
4. Auflage – München; Wien; Zürich: BLV, 1993; ISBN 3-405-13275-4